Legitime Auszeit vom Job: Das sind die Voraussetzungen für ein Sabbatical

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Raus aus dem Job-Trott, neue Erfahrungen sammeln oder sich weiterbilden – immer mehr Deutsche träumen von einer temporären Arbeitspause. Das Sabbatjahr-Modell scheint dafür wie geschaffen zu sein. Laut einer repräsentativen Umfrage der Plattform XING haben sich von 1.493 deutschen Arbeitnehmern bereits 10,1 Prozent eine berufliche Auszeit gegönnt. 21 Prozent der Berufstätigen liebäugeln mit einer Verschnaufpause. Aber welche Voraussetzungen müssen Berufstätige erfüllen, um sich für ein Sabbatical zu qualifizieren?

Sabbatical: Was ist das eigentlich?

Sabbatjahr, Sabbatical oder Gap Year: Hinter diesen unterschiedlichen Begriffen verbirgt sich eigentlich immer dasselbe Prinzip eines längeren Sonderurlaubs. Innerhalb eines festgelegten Zeitraums wird entweder nur in Teilzeit gearbeitet oder eine komplette Job-Pause eingelegt. Diese erfolgt in der Regel unentgeltlich. Oder aber, der Arbeitnehmer hat im Vorfeld Überstunden angehäuft, die im Rahmen des Sabbatjahres dann abgebaut werden. Oftmals nutzen Berufstätige das Time-out für Weiterbildungen, Reisen oder eine berufliche Neuorientierung. Die Rahmenbedingungen wie Dauer und Einkommen werden meistens nach Absprachen vertraglich festgehalten.

Voraussetzungen: Freie Wirtschaft vs. Öffentlicher Dienst

Eines vorweg: Anders als viele Beamte haben Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatjahr in Deutschland. Wer sich in einer unbefristeten, festen Anstellung befindet, kann mit seinem Arbeitgeber frei über eine einvernehmliche Regelung verhandeln. Dabei stehen die Erfolgsaussichten generell besser, je größer der Betrieb ist.

Lehrer, Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst haben in vielen Bundesländern die besseren Karten. So erklärt ver.di: „Für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist die Möglichkeit eines Sabbaticals gesetzlich beziehungsweise tariflich geregelt: Zwar dürfen dienstliche Belange nicht entgegenstehen, aber grundsätzlich haben die meisten Beamtinnen und Beamte sowie Tarifbeschäftigte einen Anspruch auf den Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung.“

Laut Bundesbeamtengesetz (BBG) können Beamte in eine befristete Teilzeitbeschäftigung wechseln, in der der Umfang der Arbeitszeit auf bis zu 50 Prozent der üblichen Arbeitszeit reduziert werden kann. Während dieses Zeitraums können sie allerdings in Vollzeit arbeiten und das angesparte Arbeitszeitguthaben während des Sabbaticals abbauen. Dieses kann drei Monate bis zu einem Jahr umfassen. Grundsätzlich müssen Beamte rechtzeitig einen formellen Antrag bei ihrem Arbeitgeber stellen. Voraussetzung für die Freistellung ist, dass dienstliche Belange der Teilzeittätigkeit und der Auszeit nicht im Wege stehen.

Planung ist alles: Langzeitkonto einrichten

Wer in der freien Wirtschaft ein Sabbatical einlegen möchte, sollte vorausschauend planen – auch, wenn der Arbeitgeber grünes Licht gibt. Schließlich muss die Freistellungsphase irgendwie mit den zu leistenden Arbeitsstunden in Einklang gebracht werden. Eine Möglichkeit besteht in einem Langzeitkonto, in dem etwa Überstunden, Urlaubsanteile oder nicht ausgezahlte Gehälter gesammelt und angespart werden. Die kann der Mitarbeiter anschließend in bezahlte Freizeit umwandeln. Somit bleibt das Arbeitsverhältnis samt Sozialversicherungsleistungen auch während des Gap Years bestehen und die Lohnzahlungen werden fortgesetzt.

Alternativen: Unbezahlter Urlaub oder Teilzeit

Alternativ können Arbeitnehmer ihre Auszeit über einen unbezahlten Urlaub regeln. Ulf Weigel, Anwalt für Arbeitsrecht, erklärt in der Zeit: „Dann muss der Mitarbeiter sich freiwillig krankenversichern und kann sich von der Rentenversicherung sowie den anderen Sozialabgaben befristet freistellen lassen.“

Übrigens: Nur weil bereits Kollegen ein Sabbatical eingelegt haben, besteht nicht generell gleiches Recht für alle. Lediglich bei vergleichbaren Tätigkeiten kann mit dem Recht auf Gleichbehandlung argumentiert werden.

Sabbatical planen: Die Checkliste

Egal, für welche Regelung sich Arbeitgeber und Mitarbeiter entscheiden – am Ende sollte alles schriftlich festgehalten werden. Folgende Punkte dürfen dabei nicht fehlen:

  • In welchem Zeitraum soll das Sabbatjahr stattfinden?
  • Auf welche Art und Weise soll das Zeitkonto gefüllt werden?
  • Wie läuft die Finanzierung?
  • Wann und unter welchen Bedingungen erfolgt die Rückkehr an den Arbeitsplatz?
  • Wie werden Krankheitstage während des Sabbatjahres behandelt? (Werden sie ausgeschlossen oder angerechnet?)
  • Gibt es einen Kündigungsschutz während der Abwesenheit im Betrieb?
  • Gibt es eine Insolvenzsicherung des Arbeitszeitkontos für den Fall, dass das Unternehmen während der Zeit des Sabbatjahres Insolvenz anmelden muss?

Bild: Dino Reichmuth/unsplash


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